Unser Besuch beim 3. CSD in Rathenow

Hello fellow Queers and Friends!

Der Rathenower CSD am 12.09. war ein voller Erfolg! Trotz angekündigter Gegendemo nahmen 300 Menschen aus der Stadt und Umgebung haben teil, um ein Zeichen gegen Hass und für mehr Vielfalt zu setzen. Unter anderem gab es auch viele verschiedene Redebeiträge, wie vom Queeren Rathenow selbst oder Isabelle Vandré. Auch Mathieu für die Naturfreundejugend Brandenburg und Sophie für uns haben gesprochen.

Im Anschluss fand auf dem Rideplatz ein kleines Fest statt, wo man bei Kuchen und Kaltgetränken der Musik lauschen, sich neuen Pride-Merch oder einfach nette Unterhaltungen führen konnte. Wir danken dem Queeren Rathenow und dem Kinder- und Jugendparlament für diese tolle Orga und freuen uns auf nächstes Jahr! 🏳️‍🌈🏳️‍⚧️

Die Rede findet ihr nach unseren Impressionen.

Ich wünsche euch einen wunderschönen guten Morgen, Rathenow!

Ich bin Sophie, hauptverantwortliches Mitglied von “Havel der Vielfalt” in der nicht allzu weit entfernten Stadt Brandenburg an der Havel. Gemeinsam besuchen wir möglichst viele CSDs in Brandenburg, Berlin und Teilen Sachsen-Anhalts, um diese zu supporten und Freundschaften mit den Orgas zu schließen. Außerdem ist es mir auch ein persönliches Anliegen, den Rathenower CSD zu supporten und das wird wahrscheinlich auch eine der persönlichsten Reden, die ich in dieser Saison halten werde.

Denn diese Begrüßung, die ihr gerade eben gehört habt, bedeutet nicht zwangsläufig, dass ich mich in der Tageszeit geirrt habe. Einige unter euch hören diese Begrüßung jedes Mal, wenn wir uns begegnen: und zwar in einer der Schulen Rathenows, in der ich unterrichte. Okay, die Schüler*innen unter euch denken wahrscheinlich doch, dass ich mich in der Tageszeit geirrt habe, wenn ich diese auch zu den späten Nachmittagsstunden anbringe. Aber Guten Morgen steht für mich für einen täglichen Neuanfang und auch mir geht die Sonne im Herzen auf, wenn ich morgens zu Schule fahre – und das seit mehr als anderthalb Jahren.

Als ich hier angefangen habe zu arbeiten, gab es einige findige Schüler*innen, die mich natürlich gegoogled haben und wussten sofort, für was ich stehe: für eine vielfältige Gesellschaft, auch in den Schulen. Daraus bildete sich ein kleiner Austausch mit der Schulsozialarbeit unserer Schule, in der wir Step by Step ein kleines Projekt aufstellen wollen. Das Ziel ist es aufzuklären und einen Safer Place in der Schule einzurichten. Ein Safer Place, in der sich die Schüler*innen frei entfalten dürfen, was im Schulalltag oder auch Zuhause sonst nicht ohne Komplikationen funktioniert.

Um zu zeigen, dass Jugendliche sicher sind, gibt es Tage, wie vor zwei Wochen der Wear it Purple-Day, an dem Solidarität für queere Jugendliche gezeigt wird. Das funktioniert relativ einfach: man trägt etwas in Lila, so wie ich meinen Rucksack oder mein Shirt heute. Denn Jugendliche erleben immer noch Diskriminierung und/oder Gewalt, wenn sie anfangen, zu sich zu stehen. Viele von ihnen werden auch nicht ernst genommen. Deshalb ist so ein Safer Place auch wichtig.

Die Einrichtung solcher Safer Places soll in unserem Nachbarbundesland nun erschwert werden. In Sachsen-Anhalt ist die AfD stärkste Kraft geworden und diese plant gemäß ihres Wahlprogramms viele Einschnitte bezüglich Queerness. Und sie setzt vor allem bei denjenigen an, die sich am wenigsten wehren können: Kinder und Jugendliche.

Pädagog*innen und Lehrkräfte werden als nicht neutral und übergriffig geframed, sobald sie aufklären wollen. Auch diese haben Einschränkungen zu befürchten. Und das, obwohl sie sich an das Grundgesetz halten wollen und müssen, was per se nicht neutral ist. Im Artikel 1 des Grundgesetzes steht: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Und gilt sie nicht etwa auch für Kinder und Jugendliche?

Gerade auch wir als Lehrkräfte sollten uns die Frage stellen: Was können wir tun, wie können wir helfen? Leider gibt es nicht viele Studien bezüglich der Bedarfe von queeren Jugendlichen. Doch in den wenigen, die ich gefunden habe, wie zum Beispiel von der DJI, werden Wünsche geäußert, was Jugendlichen im Schulalltag helfen kann. Und daraus ziehe ich auch die Forderungen an das Land und auch die Schulen selbst, um queere Jugendliche zu unterstützen:

  • Liebes Land Brandenburg, stellt Regelungen für trans und nicht-binäre Jugendliche auf, damit diese auf den Zeugnissen entsprechend ihres Personenstandes richtig benannt werden. Vielen von uns sind die Hände gebunden und auch uns tut es weh, den Deadname der entsprechenden Jugendlichen zu verwenden, nur weil es die Bürokratie von uns verlangt.
  • Liebe Schulen und Kolleg*innen, first of all: wir machen alle eine tolle Arbeit. Umso wichtiger ist es, dass wir uns auch diesbezüglich weiterbilden. Es gibt einige Vereine, die uns dabei unterstützen, lasst uns diese nutzen.
  • Und auch wichtig: Lasst uns den Wear it Purple-Day jeden letzten Freitag im August im Schulkontext integrieren und unseren Schüler*innen zeigen, dass diese nicht allein sind.

Freund*innen der Sonne, bevor ich meine Rede schließe, möchte ich noch ein paar Worte an alle richten. Solidarität ist wichtig, gerade in diesen Zeiten. Heute veranstaltet die Gruppierung “Deutsche Patrioten voran” eine Gegendemo zu dieser wunderbaren Veranstaltung hier. Jedes Jahr hat die Orga, hauptsächlich bestehend aus Kindern und Jugendlichen, bisher mit Gefahren von rechts zu kämpfen. Und jedes Jahr findet sie Mittel und Wege, mit diesen Gefahren umzugehen. Das verdient eine Menge Respekt! Danke, dass ihr euch so um unsere Sicherheit kümmert. Und danke, dass ihr euch nicht einschüchtern lasst und weiterhin für ein vielfältiges Leben hier in Rathenow kämpft! Lasst uns die Orga unterstützen und zeigen, dass wir für ein vielfältiges Rathenow stehen: mit unserer Präsenz, dass wir Freund*innen mitbringen, oder uns selbst hier in und um Rathenow engagieren.

Ich wünsche euch noch ganz viel Spaß auf dem CSD, einige von euch sehe ich am Montag wieder!

Vielen Dank!

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