Queeres Rathenow

Deutsche Version

Liebe Freunde, schön, dass ihr alle hier seid. Ich bin Dennis und war 2024 und 2025 Mitorganisator des CSDs in Rathenow. Vorab direkt Werbung: Für den CSD Rathenow 2026 am 12.09. bin ich wieder am Start und möchte euch herzlich einladen, auch dabei zu sein. Das Orga-Team des CSDs Brandenburg an der Havel hat uns liebenswerterweise gebeten, heute dabei zu sein, und ich habe die Ehre, ein paar Worte sagen zu dürfen. Ich bin kein guter Redenschreiber. Trotzdem habe ich das Angebot, hier einen Redebeitrag zu geben, ohne groß zu zögern angenommen, denn es gibt zwei Anliegen, die mir persönlich wichtig sind, die ich mit euch teilen möchte.

Mein erstes Anliegen ist die Betonung der Wichtigkeit von Christopher Street Days, insbesondere im ländlichen Raum. Aus meiner Sicht sind CSDs Fest und Demonstration zugleich. Zum einen zeigen sie queeren Personen: „Ihr seid willkommen, wir unterstützen euch, bei uns seid ihr sicher.“ Zum anderen senden sie ein klares Signal an die Politik und Gesellschaft. Sie fordern gleiche Rechte und Chancen für alle Menschen. Sie machen auf Hass, Hetze und Diskriminierung aufmerksam. Sie geben queeren Menschen eine Stimme.

Nicht, um CSDs in Städten kleinzureden: Christopher Street Days im ländlichen Raum haben andere Herausforderungen und Chancen. Wie ihr wisst, haben wir im Osten ein immenses Problem mit verwurzeltem und wachsendem Rechtsextremismus. Rechtsextreme Vereinigungen gedeihen, gewinnen immer mehr Rückhalt in der Bevölkerung und bieten sogar niedrigschwellige Freizeitangebote an. Hierzu gehören Wanderungen, Kampfsporttraining, Spieleabende für Jugendliche sowie Stammtischtreffen. Wo der Staat versagt, insbesondere die Kommunen, denen die Finanzierung eigener Angebote fehlt, haben extremistische Ideologien ein leichtes Spiel, zu rekrutieren.

Und darin liegt auch unsere Chance mit CSDs auf dem Land. Mit dem Mangel an Angeboten und Veranstaltungen durch demokratische Institutionen haben CSDs die Möglichkeit, ja vielleicht sogar die Pflicht, Solidarität, ein inklusives Miteinander und demokratische Werte zu vermitteln. Gerade weil demokratische Räume seltener werden, gewinnen Veranstaltungen wie diese an Bedeutung. In unserer 25.000-Einwohner-Stadt Rathenow wurde bereits gesagt, dass der CSD derzeit einer der letzten größeren Pro-Demokratie-Veranstaltungen ist. Deswegen seid motiviert, die ländlichen CSDs zu besuchen, seid engagiert, andere demokratische Kundgebungen zu besuchen, seid hoffnungsvoll und optimistisch, denn eure Mühe hat einen spürbaren Effekt!

Und damit komme ich zu meinem zweiten Punkt. Dabei sein ist das Wichtigste, dennoch benötigt es jemanden, der organisiert. Ich weiß inzwischen ganz genau, wie viel Arbeit hinter so einem CSD steckt. Es ist schwierig, einen Start zu finden, es birgt viele Herausforderungen, und man benötigt ein klein wenig Mut und Selbstvertrauen. Der erste Schritt ist der härteste. Jeder weitere kostet auch viel Zeit und Motivation. Doch wenn der Anfang erledigt ist, hat man es wesentlich leichter. Hat man schließlich das Ende erreicht, könnt ihr euch sicher sein: Die Arbeit hat sich gelohnt.

Als wir unseren ersten CSD in Rathenow organisiert haben, hatte ich persönlich die Sorge, dass niemand kommen wird. Ich hatte Angst, dass irgendetwas schiefgeht und die Veranstaltung schlecht wird. Am Ende war das Gegenteil der Fall. Zu sehen, wie praktisch aus dem Nichts 200 Menschen sich für den CSD versammeln, war ein für mich vorher unbekanntes Glücksgefühl.

Deswegen meine Empfehlung und Bitte an euch: Beteiligt euch aktiv. Es muss nicht zwingend beim Orga-Team des lokalen Christopher Street Days sein. Es kann auch das Engagement in der Gewerkschaft sein, das Unterstützen des Dorfjugendclubs, ein Aufstellen für den städtischen Jugendbeirat, die Mitgliedschaft und Beteiligung innerhalb einer demokratischen Partei, die Mitarbeit im Sportverein, das Kreieren einer Bürgerinitiative oder das Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr.

Eure Beteiligung ist wichtig. Barack Obama hat mal gesagt: „Wahlen allein machen noch keine Demokratie.“ Eine solidarische, antifaschistische und freiheitliche Demokratie basiert auf Teilhabe und Mitbestimmung. Ohne euch funktioniert es nicht. Und an alle, die bereits viel organisieren und sich beteiligen: Danke für eure Arbeit. Und vielen Dank, dass ihr mir so fleißig zugehört habt.

Englische Version

Dear friends, it’s great to have you all here. My name is Dennis and I was a co-organizer of the CSD in Rathenow in 2024 and 2025. First, a quick announcement: I’ll be back for the CSD Rathenow 2026 on September 12, and I’d like to warmly invite you all to join us. The organizing team for the CSD in Brandenburg an der Havel has kindly asked us to be here today, and I have the honor of saying a few words. I’m not a very good speechwriter. Nevertheless, I accepted the offer to speak here without much hesitation, because there are two issues that are personally important to me and that I’d like to share with you.

My first priority is to emphasize the importance of Christopher Street Days, especially in rural areas. In my view, CSDs are both a celebration and a demonstration. On the one hand, they send a message to queer people: “You are welcome, we support you and you are safe with us.” On the other hand, they send a clear message to policymakers and society. They demand equal rights and opportunities for all people. They draw attention to hate, hate speech and discrimination. They give queer people a voice.

This is not to downplay CSDs in cities: Christopher Street Days in rural areas face different challenges and opportunities. As you know, we have a massive problem in the east with deep-rooted and growing right-wing extremism. Far-right groups are thriving, gaining more and more support among the population and even offering low-threshold recreational activities. These include hikes, martial arts training, game nights for young people and regular get-togethers. Where the government fails – especially local municipalities that lack the funding to provide their own programs – extremist ideologies have an easy time recruiting new members.

And that is also where our opportunity lies with CSDs in rural areas. Given the lack of offerings and events organized by democratic institutions, CSDs have the opportunity – and perhaps even the duty – to promote solidarity, inclusive coexistence and democratic values. Precisely because democratic spaces are becoming rarer, events like these are gaining in importance. In Rathenow, our town of 25,000 residents, it has already been said that the CSD is currently one of the last major pro-democracy events. So be motivated to attend rural CSDs, be committed to attending other democratic rallies, and stay hopeful and optimistic – because your efforts are making a tangible difference!

And that brings me to my second point. Being there is the most important thing, but it still takes someone to organize it. I now know exactly how much work goes into an event like CSD. It’s hard to get started – it comes with many challenges – and you need a little bit of courage and self-confidence. The first step is the hardest. Every step after that also takes a lot of time and motivation. But once you’ve gotten started, it gets much easier. And when you’ve finally reached the end, you can be sure: the work was worth it.

When we organized our first CSD in Rathenow, I was personally worried that no one would show up. I was afraid that something would go wrong and the event would turn out badly. In the end, the opposite was true. Seeing 200 people gather for the CSD practically out of nowhere gave me a sense of happiness I had never experienced before.

That’s why I’m making this recommendation and asking you: Get actively involved. It doesn’t necessarily have to be with the organizing team for your local Christopher Street Day. It could also mean getting involved in a union, supporting the local youth club, running for the city’s youth advisory board, becoming a member of and participating in a democratic political party, volunteering at a sports club, starting a citizens’ initiative or joining the volunteer fire department.

Your participation is important. Barack Obama once said, “Elections alone do not make a democracy.” A democracy based on solidarity, anti-fascism and freedom is founded on participation and shared decision-making. It won’t work without you. And to everyone who is already doing so much to organize and get involved: Thank you for your work. And thank you very much for listening to me so attentively.