Forderungen

Deutsche Version

Disclaimer

Die Forderungen sind aus der Perspektive weißer queerer Personen und Verbündeter mit deutschem Pass geschrieben.
Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ergänzungen und Kritik sind immer willkommen.

Grundlegend für unser feministisches Selbstverständnis ist ein intersektionaler Feminismus.
Wir erkennen an, dass verschiedene Formen von Diskriminierung zusammenwirken und sich gegenseitig verstärken.
In unserem Feminismus gibt es keinen Platz für Queerfeindlichkeit, Sexismus, Rassismus, Antisemitismus, Fettfeindlichkeit, Ableismus und trans* exkludierende Positionen.
Wir arbeiten stets daran, internalisierte -ismen zu hinterfragen und abzulegen.

Gesundheit und Barrierefreiheit

Durch Erfahrungen der Ausgrenzung, queerfeindlicher Gewalt und struktureller Diskriminierung leiden Queers häufiger an Depressionen, Angstzuständen und anderen psychischen Erkrankungen.
Wir fordern die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen und flächendeckende, niedrigschwellige psychologische Hilfe für Queers.
Ob queer oder nicht, Menschen warten oft Monate bis Jahre auf einen Therapieplatz.
Und nun wurde das neue Beitragsstabilisierungsgesetz beschlossen und die Lage verschärft sich – das nehmen wir nicht hin.
Wir fordern eine gerechte Bezahlung für Therapeut*innen, mehr Kassensitze für Psychotherapie und die Sensibilisierung von Therapeut*innen für queere Themen.

Wir fordern mehr öffentliche Gelder für barrierefreie Räume und Veranstaltungen.
Zum Beispiel in Form von Rampen, barrierefreien sowie geschlechterneutralen Toiletten oder Dolmetscher*innen.

Außerdem fordern wir weiterhin das Recht auf legale und sichere Abtreibungen für alle.
Abtreibung ist ein Menschenrecht.

Familie, Elternschaft und Bildung

Wir fordern eine Reform des Abstammungsrechts.
Aktuell muss z.B. in lesbischen Beziehungen die nicht gebärende Frau das Kind adoptieren.
Dieser Prozess ist sehr zeit- und kostenintensiv.
Egal welches Geschlecht, die Partnerperson oder Ehegatt*in soll die rechtliche Elternschaft übernehmen können.

Wir fordern die Umsetzung von „sexueller und geschlechtlicher Vielfalt“ in Lehrplänen und die Auseinandersetzung mit queerer Geschichte in Schulen.
In Schulen müssen Vertrauenspersonen durch (externe) Workshops für queere Themen sensibilisiert werden.

Pride-Strukturen und Sichtbarkeit

Prides sollen für alle zugänglich sein, auch für Menschen mit Behinderungen.
Es müssen Strukturen gefördert werden, die es allen ermöglicht teilzuhaben.

Pride-Strukturen müssen mehr vor rechten Angriffen geschützt werden.
Wir fordern, dass gegen den Rechtsruck gehandelt wird.
Wir fordern außerdem eine festgelegte finanzielle Förderung für demokratiefördernde und antifaschistische Arbeit.

Das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ werden die Mittel gekürzt, der Begriff „Vielfalt“ wurde gestrichen.
Das bedeutet einen Kahlschlag für zukünftige queere Projekte.
Wir akzeptieren das nicht und fordern: Keine Kürzung, sondern mehr Gelder für Projekte!

Apropos queere Projekte: Dem Jugendnetzwerk Lambda, ein bundesweiter Zufluchtsort von queeren Jugendlichen für queeren Jugendlichen, wurde vor über einer Woche die Förderung gestrichen.
35 Jahre wertvolle Arbeit stehen mit einem Fingerschnippen auf der Kippe, denn die Finanzierung wird mehr als nur deutlich erschwert.
Wir fordern von Bildungsministerin Prien, dass die Förderung wieder aufgenommen wird.
Frau Prien, zeigen Sie Herz für Queers, zeigen Sie Herz für Jugendliche!
Wir bitten euch aber auch darum: Unterzeichnet als Organisation den offenen Brief, schreibt als Privatperson die entsprechenden Mitglieder des Bildungsausschusses an.
Nur gemeinsam können wir etwas bewegen, auch, wenn es sich momentan nicht so anfühlt.

Wir wollen mehr als eine gleichstellungsbeauftragte Person, wir fordern eine queerbeauftragte Person auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene.

Stonewall was a riot!
CSDs und Pride sind politische Proteste und keine kapitalistische Ware.
Wir fordern das Ende von Pinkwashing bei Pride-Veranstaltungen.

Flucht, Migration und internationale Solidarität

Wir fordern den Ausschluss von LGBTQIA*-Verfolgerstaaten aus der Liste sicherer Herkunftsländer.
Wir fordern ein Bundesaufnahmeprogramm für besonders gefährdete LGBTQIA*- Geflüchtete.
Wir fordern weiterhin sichere Fluchtrouten und ein Bleiberecht für alle.

Polizei, Strafverfolgung und Justiz

Wir fordern die tatsächliche Umsetzung des Verbots von racial profiling und unabhängige Studien zu rechten und rassistischen Strukturen in der Polizei.
Wir fordern das Ende rassistischer Polizeigewalt.
Wir fordern Gerechtigkeit für Lorenz.
Wir fordern die lückenlose Aufklärung rechter Gewalt ausgehend von Polizist*innen.
Wir fordern unabhängige Untersuchungskommissionen.
Wir fordern Gerechtigkeit für Cleo und Consuelo!

Inter- und Trans-Recht

Wir fordern diskriminierungsfreie medizinische Versorgung!
Medizinisches Personal muss sensibilisiert werden, vor allem in gynäkologischen Praxen.
Noch immer müssen trans* Personen ein Indikationsschreiben von Psychiater*innen oder Psychotherapeut*innen vorweisen, um einen Zugang zu einer Hormontherapie oder geschlechtsangleichenden OP zu bekommen.
Wir fordern einen selbstbestimmten Zugang zu medizinischen Maßnahmen für trans* Personen ohne Zwangsgutachten oder Alltagstests.

In Bezug auf inter* Personen existiert seit über fünf Jahren das OP-Verbotsgesetz.
Diesem zufolge ist es verboten, intergeschlechtliche Kinder aus nicht-medizinischen Gründen zu operieren.
Es besteht Nachbesserungsbedarf, doch dessen Evaluation am 20.05.2026 fand nicht statt.
Inter* Personen werden weiterhin nicht ernstgenommen, konservative Mediziner*innen und Familiengerichte umgehen deren Rechte.
Es wird vorgegeben, dass die Operation intergeschlechtlicher Kinder medizinisch notwendig sei, obwohl Familiengerichte zum Wohle des Kindes entscheiden müssen.
Wir schließen uns der Organisation Intersex International an und fordern einen Entschädigungsfonds, Beratungsangebote und keine Verjährung bei Zuwiderhandlungen.

Kommunale Forderungen an Brandenburg

Es kommt zu immer mehr queerfeindlichen Vorfällen in Brandenburg.
Wir fordern alle auf, sich mit queeren Menschen im Alltag, auf der Arbeit, im Freundeskreis und überall sonst solidarisch zu zeigen – nur zusammen sind wir stark.
Wir fordern die finanzielle Förderung queerer Sichtbarkeit, z.B. bei der Planung und Umsetzung des CSDs.

In Brandenburg fehlen Orte an denen diskriminierte Menschen zusammenkommen können, um sich z.B. zu empowern und weiterzubilden.
Wir fordern die finanzielle Unterstützung solcher Räume und den Einbezug von BIPoC, Jüdinnen und Juden, Menschen mit Behinderung, Sinti*zze und Rom*nja, Migrant*innen und queerer Personen.

Schon bestehende alternative Kulturräume, wie das HdO in Brandenburg, stehen im Fokus der AfD.
Diese fordern die Kürzung der Förderungen für diese.
Wir fordern klare Kante aller demokratischen Parteien aus Brandenburg gegen dieses Vorgehen!

Die Opferperspektive Brandenburg hat ihre Beratungsstelle Anfang dieses Jahres schließen müssen.
Wir fordern den Erhalt der finanziellen Förderung für demokratiefördernde und antifaschistische Arbeit.

Junge Menschen sind unsere Zukunft – Bildung unterm Regenbogen ist ein wichtiges queeres Bildungsprojekt aus Potsdam.
Auch bei diesem steht die weitere finanzielle Förderung auf der Kippe.
Wir fordern finanzielle Unterstützung für queere Bildungsprojekte im ländlichen Raum!

Des Weiteren fordern wir einen Ausbau einer STI-Teststelle.
Die HIV-Teststelle im Gesundheitsamt Brandenburg existiert nur noch auf dem Papier.
Es muss kostenlosen und niedrigschwelligen Zugang zu sexueller Gesundheitsversorgung geben.

Englische Version

Disclaimer

These demands are written from the perspective of white queer people and allys with German passports.
We do not claim that this list is exhaustive. Additions and feedback are always welcome.

Intersectional feminism is fundamental to our feminist identity.
We recognize that different forms of discrimination interact and reinforce one another.
In our definition of feminism, there is no place for queerphobia, sexism, racism, anti-Semitism, fatphobia, ableism, or trans*-exclusionary positions.
We are constantly working to question and eliminate internalized -isms.

Health and Accessibility

Due to experiences of exclusion, anti-queer violence, and structural discrimination, queer people are more likely to suffer from depression, anxiety, and other mental health conditions.
We call for the destigmatization of mental illness and widespread, low-threshold psychological support for queer people.
Whether they’re queer or not, people often wait months or even years for a spot in therapy.
And now the fees have been cut and the situation is getting worse – we won’t stand for that.
We are calling for fair pay for therapists, more slots for psychotherapy covered by health insurance, and increased awareness of queer issues among therapists.

We are calling for more public funding for accessible spaces and events.
For example, in the form of ramps, accessible and gender-neutral restrooms, or interpreters.

We also continue to demand the right to legal and safe abortions for everyone.
Abortion is a human right.

Family, Parenthood and Education

We call for a reform of the law of descent.
Currently, for example, in lesbian relationships, the woman who does not give birth must adopt the child.
This process is very time-consuming and expensive.
Regardless of gender, a partner or spouse should be able to assume legal parenthood.

We call for the inclusion of “sexual and gender diversity” in school curricula and for schools to address queer history.
In schools, trusted adults must be educated on queer issues through (external) workshops.

Pride-Structures and Visibility

Pride events should be accessible to everyone, including people with disabilities.
We must promote structures that enable everyone to participate.

Pride organizations need to be better protected from attacks by the far right.
We demand that action be taken against the shift to the right.
We also call for dedicated financial support for efforts to promote democracy and combat fascism.

Funding for the federal program “Demokratie leben!” is being cut, and the term “diversity” has been removed.
This spells disaster for future queer projects.
We do not accept this, and we demand: No cuts – more funding for projects!

Speaking of queer projects: The Lambda Youth Network, a nationwide safe space run by queer youth for queer youth, had its funding cut more than a week ago.
35 years of valuable work are hanging in the balance at the flick of a finger, because securing funding has become more than just a little difficult.
We are calling on Education Minister Prien to resume funding.
Ms. Prien, show some compassion for queer people – show some compassion for young people!
We also ask you to do the following: Sign the open letter as an organization and write to the relevant members of the Education Committee as individuals.
Only by working together can we make a difference, even if it doesn’t feel that way right now.

We want more than just an equality officer we are calling for a officer for queer affairs at the federal, state and local levels.

Stonewall was a riot!
CSDs and pride are political protests, not capitalist commodities.
We call for an end to pinkwashing at pride events.

Refugees, Migration and International Solidarity

We call for the exclusion of countries that persecute LGBTQIA* individuals from the list of safe home countries.
We are calling for a federal resettlement program for LGBTQIA* refugees who are at particular risk.
We continue to call for safe escape routes and the right to stay for everyone.

Police, Law Enforcement and Justice

We call for the effective implementation of the ban on racial profiling and for independent studies on right-wing and racist structures within the police force.
We demand an end to racist police violence.
We demand justice for Lorenz.
We demand a thorough investigation into right-wing violence based on police officers.
We are calling for independent commissions of inquiry.
We demand justice for Cleo and Consuelo!

Inter and Trans Rights

We demand non-discriminatory medical care!
Medical staff must be educated on these issues, especially in gynecological practices.
Trans* people are still required to present a referral letter from a psychiatrist or psychotherapist in order to gain access to hormone therapy or gender-affirming surgery.
We demand self-determined access to medical procedures for trans* people without mandatory evaluations or routine tests.

The Law Prohibiting Surgery on intersex individuals has been in effect for over five years.
Under this law, it is prohibited to perform surgery on intersex children for non-medical reasons.
There is a need for improvements, but the evaluation scheduled for May 20, 2026, did not take place.
Intersex people continue to be taken lightly, and conservative medical professionals and family courts circumvent their rights.
It is claimed that surgery on intersex children is medically necessary, even though family courts are required to make decisions in the best interests of the child.
We stand with the Organization Intersex International and demand a compensation fund, counseling services, and no statute of limitations for violations of the law.

Local Government Demands on Brandenburg

There has been a rise in anti-queer incidents in Brandenburg.
We call on everyone to show solidarity with queer people in everyday life, at work, among friends and everywhere else – only together are we strong.
We call for financial support to promote queer visibility, for example in the planning and implementation of the CSD.

In Brandenburg, there is a lack of spaces where people who face discrimination can come together to, for example empower themselves and further their education.
We call for financial support for such spaces and for the inclusion of BIPoC, Jewish people, people with disabilities, Sinti and Romani people, migrants and queer people.

The AfD is targeting existing alternative cultural spaces, such as the HdO in Brandenburg.
They are calling for cuts to funding for these organizations.
We call on all democratic parties in Brandenburg to stand against this approach clearly!

The Brandenburg Victims’ Advocacy Group was forced to close its counseling center earlier this year.
We call for the continuation of financial support for work that promotes democracy and combats fascism.

Young people are our future – “Bildung unterm Regenbogen” is an important queer educational project based in Potsdam.
Here, continued funding is also hanging in the balance.
We call for financial support for queer educational projects in rural areas!

Furthermore, we call for the expansion of an STI testing center.
The HIV testing center at the Brandenburg Public Health Department is now nothing more than a formality.
There must be free and low-threshold access to sexual health care.