“Demokratie verteidigen!” – Unser Beitrag zur Kundgebung vom 10.09.2026

Hello fellow Queers and Friends!
Die Wahl in Sachsen-Anhalt hat ein Ergebnis gezeigt, welches wir so nicht hinnehmen dürfen! Deshalb fand auch bei uns im schönen Branne die Veranstaltung „Demokratie verteidigen!“ statt, bei der wir gemeinsam mit weiteren Vereinen, Initiativen und Parteien auftreten und unsere Gedanken dazu äußern durften. Wir haben uns bei unserer Rede auf die zu erwartenden Konsequenzen bezogen, die queere Personen und Orgas in Sachsen-Anhalt zu befürchten haben.
Vielen Dank an die Orga und die Moderation, die von der Grünen Jugend und JuSos Brandenburg an der Havel ausging. Danke, dass wir dabei sein durften. Lasst uns weiterhin gemeinsam kämpfen! 🏳️🌈🏳️⚧️
Die Rede findet ihr im Folgenden.
Fotos: Anzai, Oskar

Liebe Zuhörende,
ich bin Sophie von der Initiative „Havel der Vielfalt“. Gemeinsam mit einigen anderen Personen und Orgas wollen wir hier für ein bunteres und sichereres Leben für queere Menschen in Brandenburg sorgen. Daher haben wir uns auch auf die Fahne geschrieben, uns mit den Communitys aus den vor allem brandenburgischen Orten, aber auch mit denen Sachsen-Anhalts, zu vernetzen. Dies passiert über die Reisegruppen zu den CSDs.
Vor einigen Wochen haben wir den CSD in Magdeburg besucht. Es handelte sich hierbei um den 30. CSD, der in Magdeburg durchgeführt wurde. Wir sind mit vielen Erwartungen hingefahren, vor allem mit der Hoffnung, dass wir es auch wieder heil nach Hause schaffen. Doch unsere Überraschung war positiv: Die Stimmung war super, es gab kaum Störungen und das in der Hauptstadt von Sachsen-Anhalt.
Wir reden übrigens an dieser Stelle von einer längeren CSD-Geschichte, von Menschen, die mutig durch die Straßen Magdeburgs laufen und zeigen: “Hier bin ich! Ich existiere! Mein Leben ist genauso viel Wert wie eures!” Nur gibt es Menschen, insbesondere wenige Parteien, die dies nicht so sehen. Für die eine Familie nicht auch aus zwei Müttern bestehen kann, sondern nur aus Mutter, Vater, Kind, um, ich zitiere: “den Fortbestand unseres Volkes zu garantieren”. Für die jegliche Bewegung hin zu alternativen Lebensentwürfen als pervers-linke Agitation gilt, deren staatliche Förderung unter dem Deckmantel der Neutralität stark eingeschränkt werden soll. Diese “Neutralitätspflicht” wird im Übrigen auch auf Sozialarbeiter*innen, Erzieher*innen und Lehrkräfte ausgeweitet, so als ob es Übereinkünfte wie den Beutelsbacher Konsens nicht gäbe.
Obwohl, selbst der Beutelsbacher Konsens, der für den Verzicht auf Überwältigung, die Herstellung von Kontroversität und Befähigung zur demokratischen Teilhabe steht, ist der AfD zu soft. Indoktrination sei damit immer noch möglich. Regenbogenflaggen an Schulen? Ebenfalls Indoktrination. Immerhin dürfen Schüler*innen diese noch als Aufkleber zum Beispiel auf dem Rucksack tragen – ist das nicht gnädig von der AfD?
Sexuelle Aufklärung wird als übergriffig bezeichnet und soll Aufgabe der Eltern werden. Vom Öffentlichen ins Individuelle also. An der Stelle kann ich von mir persönlich sagen: die individuelle Aufklärung hat bei meiner Schwester und mir nur so semi geklappt und ich bin mit 30 immer noch dabei, mir noch fehlendes Wissen anzueignen und mich weiterzubilden.
Dass damit im Übrigen der Zugang zu Wissen blockiert wird, welches queeren Jugendlichen hilft, ist nicht zu ignorieren. Hier wandert die AfD lieber wieder ein paar Jahrzehnte zurück, in der trans Jugendliche als seelisch gestört betrachtet werden und Hilfsangebote, wie die Pubertätsblocker, deshalb verboten werden sollen. Und damit auch bloß nicht weiter am Verständnis von Geschlecht und Sexualität geforscht werden kann, sollen die Gender-Studies an den Unis abgeschafft werden.
Und im Ehrenamt? Fördermittel für queere Projekte, hier denke ich an den CSD Sachen-Anhalt e.V., sollen gestrichen werden. Damit stehen zig CSDs auf dem Spiel, unter anderem auch eine 30-jährige CSD-Geschichte in Magdeburg.
Das, was wie ein Alptraum klingt, kann bald Realität werden. Dank 39 Sitze von 83 im Land Sachsen-Anhalt, die die AfD erzielt hat. Und so, wie es momentan aussieht, wird auch das BSW Anteil tragen, dass dies Realität werden kann.
Das macht wütend und machtlos, selbst hier bei uns in Brandenburg. Doch gerade wir als direkte Nachbarn sollten nicht gelähmt vor Angst werden, sondern unterstützen. Was dies für queere Projekte bedeutet: auch dort Support lassen, wie zum Beispiel beim CSD Stendal, der am 26.09. stattfindet. Unterstützen wir den CSD Sachsen-Anhalt e.V. dabei, standhaft gegen rechtsextreme Agitationen zu bleiben.
Es gilt nun, zusammenzuhalten, statt gegeneinander zu arbeiten: Vereine, Parteien, Gewerkschaften, bitte unterstützt euch gegenseitig. Bleibt solidarisch, egal welche Geschlechtsidentität, welche Nationalität, welche Klasse, welche sexuelle Orientierung. Gebt euch Raum für eure Sorgen, macht keinen Wettbewerb daraus, wer mehr leidet. Arbeitet zusammen statt gegeneinander. Nur gemeinsam können wir gegen die Angstmacherei insbesondere rechtsextremer Parteien vorgehen.
Um mit einem Zitat aus dem CSD Cottbus zu enden: „Lassen wir uns nicht das Blau aus dem Regenbogen nehmen.“
Vielen Dank.


