Deutsche Version
Hey, ihr Lieben. Erstmal schön, dass ihr alle hier seid. Dieses Jahr wurde der Aktivismus und die generelle Sichtbarkeit von Queers überschattet. Wir lesen täglich von Krisen und Kriegen und irgendwie hören wir kaum etwas von queeren Menschen.
Seit Trumps erneuter Präsidentschaft und mit dem voranschreitenden Rechtsruck werden wir weiter aus dem Sichtfeld verdrängt. Firmen schmücken sich nicht mal mehr alibimäßig mit einer Regenbogenflagge zum Pridemonth, weil sie Anfeindungen von Rechts befürchten und auf Trumps Linie bleiben wollen. Daran sehen wir, dass diese „Solidarität“, diese „Sichtbarkeit“, welche sie uns dabei vorgespielt haben, nichts als gelogen war. Diese Unternehmen standen nie auf unserer Seite und werden es auch weiterhin nicht tun, genauso wenig wie die Parteien die sich immer als queerfreundlich darstellen wollen, aber am Ende ja doch nichts für uns tun.
Man denke an die CDU, die sich jährlich auf dem Christopher Street Day in Berlin inszenieren will und dann im Bundestag wieder queerfeindliche Politik macht oder Aussagen von Merz wie dass das Parlament „kein Zirkuszelt“ sei – bezogen auf das Hissen der Regenbogenflagge. Den Politiker*innen und ihren Parteien oder den Unternehmen geht es nicht um unsere Sichtbarkeit. Es geht um Prozente und Profite, es geht wie immer um Macht und Geld. Dieses Phänomen können wir besonders in diesem Jahr noch in einer anderen Form beobachten.
Wie eben schon erwähnt sind tägliche Berichte über Krieg für uns wieder Aktualität und damit Debatten über die Bundeswehr und verpflichtende Kriegsdienste. Die Bundeswehr versucht kläglich Sympathien und Anreize für viele verschiedene Bevölkerungsgruppen zu schaffen. Überall wo wir hinschauen sehen wir ihre Kriegspropaganda, Busse und Straßenbahnen sowie deren Haltestellen voll mit Werbung, vor dem nächsten Youtube Video oder auch in unseren Briefkästen. Kürzlich auf dem Tag der Bundeswehr oder dem Veteranentag versuchte sie erneut junge Menschen und Kinder von sich zu begeistern und verwiesen dabei auch Kritiker vom Gelände – Was wurde aus „wir kämpfen auch dafür, dass du gegen uns sein kannst“?. Immer wieder betonen sie wie bunt und vielfältig die Bundeswehr sei. Auch auf der queeren Jobmesse in Berlin wollten sie ihre Propaganda verbreiten. Dabei geht es der Bundeswehr ja aber offensichtlich nicht um unsere Leben, sonst würden sie uns nicht für den Dienst an der Waffe ausbilden wollen. Die Bundeswehr sucht verzweifelt nach Kanonenfutter, ganz nach Anweisungen unserer Regierung. Deutschlands Armee soll nicht diverser werden, sie soll größer werden, Deutschland soll wieder kriegstüchtig werden und wir sollen wenn wir Pech haben dafür unser Leben geben.
All die ganze Anstrengung, damit wir für einen Fleck innerhalb ausgedachter Linien kämpfen, der sich nicht für uns interessiert. Aber hey, vielleicht gibts ja bald mal wieder ein Land, das wir in die Demokratie bomben können, ist doch gleich viel cooler wenn der Einsatz von einer Frau oder Queers durchgeführt wird. Und bis dahin bleiben wir halt Mittäter im Völkermord in Gaza. Gut, die sind ja eh alle Queerfeindlich da, und wenn die Queers, die dort komischerweise trotzdem leben von der israelischen Armee – der IDF- ermordet werden kann man ja zum Glück trotzdem weiter behaupten, dass die IDF eine der fortschrittlichsten und queerfreundlichsten Armeen ist. *ironie off* Es macht keinen Unterschied wie „divers“ eine Armee ist, und dass Menschen in Palästina oder sonst wo auf der Welt queerfeindlicher sind als an anderen Orten der Welt, rechtfertigt in keinster Weise, diese, ihre Kinder und den Großteil der zivilen und lebensnotwendigen Infrastruktur dort zu zerbomben. Armeen und auch die Unternehmen wollen uns nicht schützen, sie wollen uns nicht sichtbar machen, weil das das richtige wäre. Es geht ihnen einzig und allein um Profite. Wenn dein Produkt oder ein Job Queers anspricht ist das halt gute Werbung.
Lasst euch nicht verarschen! Fallt nicht auf ihre geheuchelte Solidarität herein und vertraut lieber den Menschen, denen wirklich etwas an euch liegt. Aktivistis, eurer Community, euren Freunden. Unterstützt euch gegenseitig und seid füreinander da. Helft einander und gebt euch Halt. Wir sind alles was uns bleibt, wenn die Rechten wieder angreifen.
Englische Version
Hey, everyone. First of all, it’s great to have you all here. This year, queer activism and visibility in general have been overshadowed. Every day we read about crises and wars, and somehow we hardly hear anything about queer people.
Since Trump’s re-election and with the ongoing shift to the right, we are being pushed further out of the public eye. Companies don’t even bother to wave a rainbow flag as a token gesture during Pride Month anymore, because they fear hostility from the right and want to stay in line with Trump. This shows us that this “solidarity,” this “visibility” that they pretended to show us, was nothing but a lie. These companies were never on our side and will continue to not be, just as the political parties that always try to portray themselves as queer-friendly but, in the end, do nothing for us.
Just think of the CDU, which wants to make a spectacle of itself every year at Christopher Street Day in Berlin and then goes back to pursuing anti-LGBTQ+ policies in the parliament, or statements by Merz such as that parliament is “not a circus tent”—in reference to the raising of the rainbow flag. Politicians and their parties, as well as corporations, aren’t concerned about our visibility. It’s about percentages and profits; as always, it’s about power and money. We can observe this phenomenon in yet another form, especially this year.
As mentioned earlier, daily reports of war have once again become a hot topic for us, and with them, debates about the Bundeswehr and mandatory military service. The Bundeswehr is making a pitiful attempt to win over and attract various segments of the population. Everywhere we look, we see their war propaganda—buses and trams, as well as their stops, plastered with advertisements; before the next YouTube video; or even in our mailboxes. Recently, at Bundeswehr Day and Veterans’ Day, they once again tried to win over young people and children, even going so far as to expel critics from the premises—what happened to “we’re also fighting so that you can be against us”? They keep emphasizing how diverse and inclusive the Bundeswehr is. They also wanted to spread their propaganda at the queer job fair in Berlin. But it’s obvious that the Bundeswehr isn’t concerned with our lives—otherwise, they wouldn’t want to train us to bear arms. The Bundeswehr is desperately looking for cannon fodder, following our government’s instructions to the letter. Germany’s army isn’t supposed to become more diverse; it’s supposed to grow larger. Germany is supposed to become capable of waging war again, and if we’re unlucky, we’ll have to give our lives for it.
All that effort, just so we can fight for a spot within imaginary lines that doesn’t care about us. But hey, maybe soon there’ll be another country, that we can bomb into democracy—it’s way cooler when the mission is carried out by a woman or queer people, right? And until then, we’ll just remain accomplices to the genocide in Gaza. Well, they’re all anti-queer there anyway, and if the queer people who, strangely enough, still live there are murdered by the Israeli army—the IDF—then, fortunately, we can still claim that the IDF is one of the most progressive and queer-friendly armies. Right? *irony off* It makes no difference how “diverse” an army is, and the claim that people in Palestine or elsewhere in the world are more hostile toward queer people than in other parts of the world in no way justifies bombing them, their children, and the majority of the civilian and essential infrastructure there. Armies and corporations alike don’t want to protect us; they don’t want to make us visible just because it’s the right thing to do. They’re solely interested in profits. If your product or a job appeals to queer people, that’s just good advertising.
Don’t let them fool you! Don’t fall for their hypocritical solidarity—instead, trust the people who truly care about you: activists, your community, your friends. Support one another and be there for each other. Help one another and support each other. We are all we have left when the right-wingers start attacking again.


