{"id":460,"date":"2023-09-01T18:14:16","date_gmt":"2023-09-01T18:14:16","guid":{"rendered":"https:\/\/haveldervielfalt.de\/?page_id=460"},"modified":"2023-09-01T18:14:16","modified_gmt":"2023-09-01T18:14:16","slug":"osward","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/haveldervielfalt.de\/?page_id=460","title":{"rendered":"Osward"},"content":{"rendered":"\n<p>Wir sind Osward und Ren\u00e9 und stehen heute vor euch, um unsere Geschichte zu teilen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir hatten anscheinend eine naive romantische Vorstellung: ein gl\u00fcckliches Leben auf dem Land in Brandenburg zu f\u00fchren. Ein Haus mit Garten und Obstb\u00e4ume, ein Hund und Katzen in Nennhausen, Havelland.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir dachten, jeder in diesem Land k\u00f6nne leben, wo immer man will, aber die Realit\u00e4t hat uns ins Gesicht geschlagen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Uns wurde irgendwann klar, dass Leute wie wir &#8211; queer, schwule, lesbische, trans und intersexuelle Menschen &#8211; in einem Dorf nicht so willkommen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Uns wurde klar, dass es Menschen in einem Dorf gibt, die glauben, sie k\u00f6nnten entscheiden, wer bleiben darf, wer gl\u00fccklich sein darf, wer ein friedliches Leben verdient. Und dass diese Menschen bereits dabei sind, sich zusammenzuschlie\u00dfen und mit allen m\u00f6glichen Mitteln durch Hass ein schwules Paar zu vertreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>In den letzten drei Jahren wurde ich mit dem Tod bedroht, ausl\u00e4nderfeindlich beleidigt, mein Mann und ich wurden als &#8220;Schwuchtel Fotzen&#8221; beschimpft. Wir sollten abhauen. Wir sind in Deutschland.&nbsp;&nbsp;Als ein schwules binationales Paar nicht das Recht h\u00e4tte auch auf dem Land&nbsp; oder nicht mal in Deutschland ein gl\u00fcckliches&nbsp;Leben zu f\u00fchren. Als wir nicht Teil von dieser Gesellschaft sein d\u00fcrfen, weil wir Queer sind, weil wir anders sind, weil wir bunt sind.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00e4nner lassen die Motoren von alten Traktoren in unmittelbare N\u00e4he unseres Zuhause laufen, manchmal bis zu einer Stunde und freuen sich. Unser Haus, K\u00fcche, Bad und Schlafzimmer riechen nach Dieselru\u00df. Wir leiden unter Kopfschmerzen, \u00dcbelkeit und Sodbrennen. Wir m\u00fcssen uns in unser Haus verkriechen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Beh\u00f6rden sch\u00fctzen uns nicht. Jahrelang&nbsp;zeigen wir alle&nbsp;diese Straftaten an. Und es passiert nichts. Die B\u00fcrgermeisterin von Nennhausen, Brigitte Noel,&nbsp; leugnet unseren Fall und marginalisiert ihn als Nachbarschaftsstreit. Die T\u00e4ter f\u00fchlen sich unantastbar und machen weiter. F\u00fcr sie gibt es keine Homophobie und Rassismus in Nennhausen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Hass ist viel struktureller als wir dachten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wir lassen uns nicht von Hass und Vorurteilen unterkriegen. Wir k\u00e4mpfen weiter. Wir vernetzen uns und finden auf dem Weg Engel, die uns mit Tat und Rat unterst\u00fctzen. Wir sind nicht allein. Wir alle sind nicht allein. Wir haben uns alle. Wir rufen euch auf, euch zu vernetzen und zusammenzuhalten. Nur zusammen k\u00f6nnen wir diesen Kampf gegen Ungerechtigkeit und Hass gewinnen und besiegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gesellschaft hat nach der Wende vers\u00e4umt die Menschen aus einem totalit\u00e4ren Staat in die freiheitliche Demokratie zu begleiten. Wenn die B\u00fcrgermeisterin von Nennhausen, nach etlichen homophob und xenophob motivierten Straftaten sich immer noch in die Aussage verbei\u00dft: dass es in Nennhausen nie ein Problem mit Homophobie und Rassismus gab und unsere Briefe ignoriert, dann ist das f\u00fcr uns ein Zeichen daf\u00fcr, dass, wir immer noch gegen gedankliche Strukturen ank\u00e4mpfen m\u00fcssen, die aus dem totalit\u00e4ren System der DDR und noch fr\u00fcher stammen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Wir fordern eine genauso intensive Aufarbeitung des DDR-Unrechts, so wie wir bereits gesehen haben, dass die Aufarbeitung des Nationalsozialismus unsere Gesellschaft gest\u00e4rkt hat. Gerade wir als queere Pers\u00f6nlichkeiten sind ein Gradmesser f\u00fcr die Freiheit unserer Gesellschaft. Lasst uns diese freiheitliche Demokratie besch\u00fctzen. Seit wachsam, passt auf euch auf, aber vor allem lasst uns f\u00fcreinander einstehen, um eine inklusivere und tolerantere Gesellschaft zu schaffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sind Osward und Ren\u00e9 und stehen heute vor euch, um unsere Geschichte zu teilen. Wir hatten anscheinend eine naive romantische Vorstellung: ein gl\u00fcckliches Leben auf dem Land in Brandenburg zu f\u00fchren. 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